Institutional Money: Impact Asset Management über die Vorteile von Mikrofinanzkrediten

20.06.2022

Warum Micro Finance institutionellen Investoren sowohl eine finanzielle, als auch eine soziale Rendite bringt und weshalb dieses Investmentinstrument insbesondere Frauen aus den ärmeren Ländern zu Gute kommt, erläutert Günther Kastner von Impact AM.

Die Coronapandemie hat nicht nur die entwickelten Volkswirtschaften der Industrienationen getroffen, sondern auch signifikant die Armut in den finanziell schwachen Ländern vergrößert. Nach Schätzungen der Weltbank sind im Jahr 2020 weltweit 97 Millionen Menschen aufgrund der Pandemie in die Armut gerutscht: diese müssen ihr Leben mit einem Einkommen von weniger als 1,50 USD pro Tag bestreiten. Auch das aktuelle Marktumfeld mit hohen Energie- und Agrarrohstoffpreisen und steigenden US-Leitzinsen sind ein toxischer Mix für die Entwicklung der ärmeren Länder: die finanziellen und wirtschaftlichen Belastungen nehmen zu, rekapituliert Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM Impact Asset Management, die jüngsten, sich verschlechternden Entwicklungen für die ärmeren Länder dieser Welt, in einem „Institutional Money“ exklusiv vorliegenden Beitrag.

Zur Erinnerung: Die Wiener Impact Asset Management (I-AM) ist die ehemalige C-Quadrat Asset Management und verantwortet das Portfoliomanagement des Dual Return Fund - Vision Microfinance (ISIN: LU0306115196) und des Dual Return Fund - Vision Microfinance Local Currency (ISIN: LU0533938022).

Finanzielle Inklusion stark ausbaufähig
Dabei führt Armut auf individueller Ebene in den ärmeren Ländern oftmals zu einem Teufelskreis, erinnert Kastner: es kann kein Geld angespart werden, aufgrund des mangelnden Kapitals und fehlender Sicherheiten können bei traditionellen Banken keine Bankkonten eröffnet oder sonstige finanzielle Dienstleistungen in Anspruch genommen, geschweige denn Investitionen getätigt werden. Vollständige finanzielle Inklusion ist in vielen Ländern noch ein fernes Ziel: so soll beispielsweise in Marokko der Anteil der Bevölkerung, die kein Bankkonto besitzt, mit 71 Prozent global am höchsten liegen. Laut der Weltbank verfügen 1,7 Milliarden Erwachsene weltweit über kein Bankkonto.

Mikrofinanzkredite als wirkungsvolles Mittel
Eine Möglichkeit, den Teufelskreis der Armut zu durchbrechen, sind laut Kastner Mikrofinanzkredite. Dabei handelt es sich um Kredite mit begrenztem Umfang, die über Mikrofinanzinstitute in den Entwicklungs- und Schwellenländern vor Ort an Kleinstunternehmer vergeben werden. So wird es beispielsweise Kleinbauern, Ladenbesitzern, Friseuren und Rikscha-Fahrern erstmals ermöglicht, zu investieren und somit den Grundstein für ein expandierendes Unternehmen zu legen. Der Kapitalaufbau ermöglicht zudem die kurzfristige Rückzahlung des Kredits inklusive der fälligen Zinsen. Das Konzept der Mikrofinanzkredite wurde durch den bengalischen Wirtschaftsprofessor und Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus bekannt gemacht. Jedoch wurde die Idee, Finanzdienstleistungen für jedermann zugänglich zu machen und damit Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten schon vor über 200 Jahren in Europa auf der Basis der Ideen der Gründung von Sparkassen und Volksbanken verwirklicht. Der genossenschaftliche Sektor ist auch noch heute eine wichtige Säule unserer Wirtschaft.

Stabilitätsanker in unruhigen Zeiten
Mikrofinanzfonds sind nachhaltige Investments, die einen direkten sozialen Impact erzielen. Im Gegensatz zu den meisten nachhaltigen Aktienfonds, die in nachhaltig bewertete Aktien am Sekundärmarkt investieren, stellen Mikrofinanzfonds ein Segment des Fixed Income-Marktes dar, das eigenen Einflussfaktoren unterliegt, erinnert Kastner. So weisen diese auch in wirtschaftlichen schwierigen Jahren oder während Bärenmärkten an den Börsen eine stabile Wertentwicklung auf. Die Ausfallraten sind minimal und die kurzlaufenden Kredite werden im historischen Schnitt zu 98 Prozent zurückgezahlt. Die Diversifikation des Portfolios mit sorgfältig ausgewählten Mikrofinanzinstituten aus verschiedenen Ländern und Kontinenten gewährleistet darüber hinaus ein geringeres Risiko. Persönliche Treffen der Fondsmanager mit den Mikrofinanzinstituten und den unterstützten Kreditnehmern vor Ort sind Teil des Due Diligence-Prozesses, merkt Kastner an.

Die Analyse der Vergabe der Kleinstkredite fördert noch weitere Vorteile von Mikrofinanzfonds zutage: so sind viele Kreditnehmer Frauen. Laut der Weltbank sind 55 Prozent der von finanzieller Exklusion betroffenen Menschen Frauen. Frauen hatten laut der UN infolge der Coronapandemie ein doppelt höheres Risiko, ihren Job zu verlieren. Durch Mikrofinanzkredite werden somit nicht nur diese Missstände aktiv bekämpft, sondern auch die Stellung der Frauen als Unternehmerinnen in der Gesellschaft gestärkt. Des Weiteren können weitere Familienmitglieder unterstützt und potenziell weitere Menschen in Lohn und Brot gebracht werden. Gemäß Schätzungen von EY kann die finanzielle Inklusion der Bevölkerung in größeren Entwicklungsländern das Bruttoinlandsprodukt um 14 Prozent und in Frontier-Märkten sogar um 30 Prozent steigern.

Hilfe zur Selbsthilfe mit weiteren Effekten
Mikrounternehmern, die ein wichtiges Rückgrat der Wirtschaft in den Schwellen- und Entwicklungsländern sind, wird durch Mikrofinanzkredite die Chance ermöglicht, den Teufelskreis der Armut zu verlassen und eine wirtschaftliche Existenz aufzubauen, von der weitere Menschen vor Ort profitieren können.

„Mikrofinanzfonds ermöglichen dem Anleger eine stabile Rendite, die sich relativ unabhängig zu den Aktien- und Anleihenmärkten entwickelt. Somit kann neben einer sozialen Rendite eine finanzielle Rendite erzielt werden“, betont Kastner abschließend und verweist auf die Outperformance des Dual Return Fund – Vision Microfinance I im Vergleich zur Benchmark.

Impact Asset Management über die Vorteile von Mikrofinanzkrediten

Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM

Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM

nach oben