AssCompact: Mikrofinanzfonds - Nachhaltig Investieren in Reinkultur

27.06.2022

Weshalb Mikrofinanzfonds eine gute Lösung für all jene Anleger darstellen, denen ihr Portfolio gar nicht nachhaltig genug sein kann, erklärt Günther Kastner von I-AM Impact Asset Management. Im Mittelpunkt steht neben dem guten Gewissen auch die niedrige Korrelation zu anderen gängigen Asset-Klassen.

Ein Artikel von Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM Impact Asset Management

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend, denn es kann etwas bewirken – zumindest dann, wenn man es richtig macht. Die Aussicht, Rendite mit der Erfüllung von Nachhaltigkeitszielen zu verbinden, ist für viele Anleger zur Voraussetzung für ein Investment in aktiv gemanagte Fonds und ETFs geworden. Per Ende 2021 erreichte das Anlagevolumen nachhaltiger Fonds in Europa mit 4,6 Mrd. US-Dollar einen neuen Rekordwert. Damit machten als nachhaltig eingestufte Fonds bereits 42,4% des gesamten EU-Fondsvermögens aus. Auch die Regulierung von nachhaltigen Investments nimmt immer mehr Gestalt an. In diesem Jahr ist der erste Teil der EU-Taxonomieverordnung in Kraft getreten, die nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten, zunächst für den Bereich Klimawandel, definiert.

Umstrittene Nachhaltigkeitsmerkmale

Dort wo Licht ist, ist aber auch Schatten. Dies gilt auch beim nachhaltigen Investieren. So sorgte die Einstufung der Atomkraft und von Erdgas als nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten durch die EU-Kommission im Rahmen der EU-Taxonomieverordnung für Empörung. Auch die zunehmend unübersichtliche Anzahl nachhaltiger Finanzprodukte verstärkt den Eindruck, dass ein grünes Label immer mehr Marketingzwecken dient. Um genau diesem Greenwashing vorzubeugen, hat das Analysehaus Morningstar mehr als 1.600 nachhaltige Fonds einem eigenen ESG-Research unterzogen und infolgedessen von der eigenen Liste nachhaltiger Fonds gestrichen – trotz der Deklarierung als „nachhaltig“ laut der EU-Offenlegungsverordnung.

Mikrofinanzfonds: Direkten sozialen Impact erzielen

Eine Form des echten nachhaltigen Investierens sind Mikrofinanzfonds. Sie zählen zu den Impact Investments, die durch direkte finanzielle Förderung von Kleinstunternehmern in Schwellen- und Entwicklungsländern unmittelbare soziale Wirkung entfalten. Damit gehören sie gemäß der EU-Offen­legungsverordnung zu den „dunkelgrünen“ Artikel-9-Fonds – der Königsklasse der nachhaltigen Fonds –, die ein nachhaltiges Anlageziel verfolgen müssen.

Die Idee der Mikrofinanzkredite wurde durch den bengalischen Wirtschaftsprofessor Muhammad Yunus populär gemacht. Er erhielt für das Konzept der Mikro­finanz im Jahr 2006 den Friedensnobelpreis. Die Grundidee ist aber wesentlich älter und heute ein integraler Bestandteil unseres erfolgreichen Finanzsystems. Die Gründung der Volksbanken und Sparkassen vor über 200 Jahren basiert auf den Ideen der Hilfe zur Selbsthilfe und dem Solidaritätsprinzip. Der Zugang zur Geldbeschaffung über ein funktionierendes Kreditsystem sollte jedermann ermöglicht werden. An diesem Zugang mangelt es aber weiterhin weltweit, obwohl nachgewiesen ist, dass Hilfe zur Selbsthilfe in ganz kleinem Maßstab ein zentraler Baustein für nachhaltiges Wachstum aus der Armut heraus sein kann.

Armut und daraus folgend finanzielle Exklusion sind trotz des weltweiten Fortschritts in der Armutsbekämpfung noch immer ein Problem epidemischen Ausmaßes. Nach Angaben der Weltbank sind 1,7 Milliarden Erwachsene weltweit ohne Bankkonto. Die Corona-­Pandemie hat die globale Armuts­lage verschärft. Laut Oxfam sind seit Ausbruch der Corona-Pandemie 163 Millionen Menschen in die Armut abgerutscht. Rund 3,4 Milliarden Menschen leben damit unterhalb der von der Weltbank definierten Armutsgrenze von 4,80 Euro am Tag. Auch der Ukrainekrieg, der zu stark steigenden Energie- und Agrargüterpreisen geführt hat, dürfte viele Entwicklungsländer weiter zurückwerfen.

Für die Vergabe der Kredite, die in Mikrofinanzfonds enthalten sind, sind entsprechende spezialisierte lokale Banken verantwortlich. Diese Mikrofinanzinstitute fungieren auch als lokale Ansprechpartner für die Kreditnehmer vor Ort. Oftmals müssen die Kleinstunternehmer nur kleine Summen als Darlehen aufnehmen, um den Weg in die unternehmerische Selbstständigkeit zu schaffen. Dem Friseur kann der Stuhl, einem Kleinhändler ein neuer Kühlschrank oder dem Fahrer seine motorisierte Rikscha oder das erste eigene Taxi finanziert werden.

Darauf sollten ESG-Investoren bei Mikrofinanzfonds achten

Auch wenn Mikrofinanzfonds die höchste Stufe der Nachhaltigkeit erfüllen, sollten Anleger individuell prüfen, welche Anlagestrategie der Fonds konkret verfolgt. Um einen möglichst hohen sozialen Impact zu erzielen, sollte die Anlageselektion auf einem umfassenden Due-Diligence-Prozess beruhen. Dazu gehört die sorgfältige Auswahl geeigneter Mikrofinanzinstitute, die Kreditnehmern faire Konditionen anbieten. Auch der regelmäßige Besuch des Fonds­managements in den Ländern vor Ort, bei denen auch direkt stichprobenartig einzelne geförderte Projekte begutachtet werden, ist Teil der Due-Diligence-Prüfung.

Lösungen von Impact AM

Die von Impact Asset Management angebotenen Mikrofinanzfonds verfolgen ebenso einen stringenten Auswahlprozess. Dabei handelt es sich um folgende Fonds:

Dual Return Fund – Vision Microfinance

Dual Return Fund – Vision Microfinance Local Currency

Die beiden Mikrofinanzfonds tragen dadurch gleich zu 11 von 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen bei. Dazu gehören auch weniger offensichtliche SDGs wie die Geschlechtergleichstellung. 52% und damit eine leichte Mehrheit der Kreditnehmer des Dual Return Fund – Vision Microfinance sind Frauen. Dementsprechend wird die Armutsbekämpfung bei Frauen, die ein höheres Risiko haben, in Armut zu fallen, aktiv angegangen und die Stellung von Frauen als Unternehmerinnen gerade in vielen patriarchalisch geprägten Schwellen- und Entwicklungsländern gestärkt. So kann gesellschaftlicher Wandel hin zu mehr Gleich­berechtigung gefördert werden.

Gutes tun und nicht auf Rendite verzichten

Anleger können bei Mikrofinanzfonds nicht nur ein hohes Maß an Nachhaltigkeit erwarten, sondern auch finanzielle Ziele erreichen. Bei Mikrofinanzkrediten handelt es sich um ein Segment des Fixed-Income-Marktes, das relativ unkorreliert zu den Weltaktienmärkten, aber auch zum Anleihenmarkt ist. Gerade während volatiler Marktphasen eignen sie sich zur Stabilisierung des Portfolios. Die Ausfallraten sind gering. Die kurz laufenden Kredite werden durchschnittlich zu 98% zurückgezahlt. Eine hohe Diversifikation des Portfolios mit Mikrofinanzinstituten aus verschiedenen Ländern und Kontinenten reduziert das Anlagerisiko weiter. Mikrofinanzfonds wie der Dual Return Fund – Vision Microfinance (ISIN: LU0236782842) stellen also einen wichtigen risikominimierenden Investmentbaustein für ein ausgewogenes Impact-Portfolio dar, das wirklich etwas bewirkt.

Mikrofinanzfonds - Nachhaltig Investieren in Reinkultur

Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM

Günther Kastner, Gründer und CIO von I-AM

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